Wo kommt der Bonsai her?

Der Bon­sai hat seinen Ursprung im alten Chi­na. Vor etwa 2000 Jahren wur­den zum ersten Mal kleine Land­schaften auf Tabletts gestal­tet. Der mys­tis­chen Über­liefer­ung soll während der Han-Dynas­tie ein Zauber­er Jiang-feng die Fähigkeit besessen haben, ganze Land­schaften mit Gebir­gen, Bäu­men, Flüssen  und Häusern auf ein Tablett verklein­ert zaubern zu kön­nen. Wohl eher wur­den die Tabletts dem chi­ne­sis­chen Kaiser darge­boten, um ihn die Land­schaften seines Reich­es darzustellen.

Bon­sai wurde dann etwa um das Jahr 600 n.Chr. nach Japan exportiert, wo er mit der Bewe­gung des Zen-Bud­dhis­mus zu ein­er Kun­st­form wurde und so Bäume in kleinen Schalen gepflanzt wurde. Erst durch die Adeli­gen als Freizeitbeschäf­ti­gung geformt, wurde die Gestal­tung von Bon­sai immer pop­ulär­er und erre­ichte kurz vor den Ersten Weltkrieg seinen Höhep­unkt. In ihr spiegelt sich ein typ­is­ch­er Wesen­szug der japanis­chen Kul­tur wider: Die Suche nach Per­fek­tion und Schön­heit in der schlicht­en Ein­fach­heit.

Bon­sai galt bis ins frühe 20. Jahrhun­dert als eine Neuheit im West­en und wurde vom Garten­baube­trieb hier in Großbri­tan­nien und im West­en als ernst zunehmende gärt­ner­ische Kun­st­form anerkan­nt.

Das Wort Bon­sai kommt vom japanis­chen Wort bon für Pflanze und sai für Gefäß oder Schale (chi­ne­sisch pun sai ) und bedeutet wörtlich “Baum in einem Topf”.

Ein häu­figes Missver­ständ­nis für Anfänger ist, dass die für Bon­sai ver­wen­de­ten Pflanzen Zwergpflanzen oder sog­ar spezielle Bon­sai-Pflanzen sind. Bon­sai sind ganz ein­fach alltägliche Sträuch­er und Bäume, eben Pflanzen, für die man viel Geduld auf­brin­gen muss, um sie in die Form zu brin­gen, die man durch genaue Naturbe­tra­ch­tung und deren Verin­ner­lichung der gese­henen For­men erlebt hat. Aus diesem Grund durch­laufen die kleinen Bäume ihre nor­malen saisonalen Phasen, sie blühen, tra­gen Früchte und wer­fen ihre Blät­ter ab.

Bon­sai brauchen die freie Natur genau­so wie ihre unge­formten Gartengenossen.

Pflanzen haben sich über Jahrtausende entwick­elt, um das natür­liche Licht, den Wind, den Regen und die jahreszeitlichen Verän­derun­gen zu nutzen. Wenn sie in der unnatür­lichen Umge­bung unser­er Häuser kul­tiviert wer­den, müssen sie mit schlechtem Licht und niedriger Luft­feuchtigkeit fer­tig wer­den. Ihr Baum kann vielle­icht ein paar Monate in Innen­räu­men “existieren”, aber er wird niemals gedei­hen. Kon­tinuier­liche Indoor-Kul­tivierung von Out­door-Bäu­men führt fast immer zum Tod, es sei denn, der Baum erhält eine Posi­tion außer­halb, um seine Gesund­heit wieder zugewin­nen. Es gibt einige Pflanzen, die sich für kurze Zeit in Innen­räu­men hal­ten. Häu­fig han­delt es sich um tro­pis­che Arten, die im Win­ter vor Kälte geschützt wer­den müssen, aber auch tro­pis­che Arten benöti­gen nach dem Über­gang der Frost­ge­fahr im Früh­jahr Außenbe­din­gun­gen.

Ein wichtiges Konzept, das ein Anfänger ver­ste­hen muss, wenn er sich mit der Kun­st des Bon­sai befasst, ist, dass die Pflanze durch regelmäßiges Zurückschnei­den ihren kleinen Wuchs beibehält, ohne den sie ein­fach weit­er wächst, bis sie nicht mehr einem Bon­sai, son­dern ein­er gewöhn­lichen Gartenpflanze oder einem Baum ähnelt. Obwohl die Wurzeln eines Bon­sai jährlich beschnit­ten wer­den, ist dies nicht dazu gedacht, ihn in den Schat­ten zu stellen. Durch das Beschnei­den der Wurzeln entste­ht ein klein­er, dicht gepack­ter Wurzel­ballen, mit dem die Pflanze in einen geeignet skalierten Behäl­ter gepflanzt wer­den kann. Ohne Wurzelschnitt wird die Pflanze topfge­bun­den und ver­liert ihre Gesund­heit und Kraft. Durch das Ent­fer­nen von etwa 1/3 der Wurzeln pro Jahr kann neuer Boden in den Topf einge­bracht wer­den, und es wird Raum für das Wach­s­tum neuer Wurzeln geschaf­fen.

Bon­sai kann in der Höhe von eini­gen Zen­time­tern bis zu einem Meter vari­ieren. Es gibt keine strenge Höhenbeschränkung. Es ist ein­fach so, dass der Baum in einem Topf kul­tiviert wird und ein Bild eines ural­ten Baumes in der Natur erzeugt. Ein Bon­sai mit ein­er meter hohen Eiche mag für einen Miniatur­baum groß erscheinen, bis Sie annehmen, dass die Eichen regelmäßig 50 Meter erre­ichen, wenn sie nicht beschnit­ten wer­den!

Wenn Sie mit dem Stylen und Beschnei­den Ihrer ersten Bäume begin­nen, wer­den Sie fest­stellen, dass es in Bon­sai viele ästhetis­che „Regeln“ gibt. Diese soll­ten jedoch nur als Richtlin­ien betra­chtet wer­den und Sie soll­ten ver­suchen, das Bild der Bäume in Ihrer Umge­bung zu beobacht­en und zu replizieren. Ver­suchen Sie, einen Baum zu schaf­fen, der Sie inspiri­ert, während Sie das Gefühl bewahren, dass er tat­säch­lich auf der Seite eines Berges oder tief in einem Tal existiert.

Ein Bon­sai sollte ein Bild schaf­fen, das es wert ist, wieder­holt betra­chtet zu wer­den, während es seine natür­liche Schön­heit und Form beibehält.